KI entwickelt sich rasant und die Erwartungen an sie steigen noch schneller.
Viele Organisationen konzentrieren sich deshalb auf die Tools, die technischen Voraussetzungen, die Herangehensweisen und passende Schulungen. All das spielt auch eine wichtige Rolle, aber die eigentliche Herausforderung liegt häufig woanders.
Wir haben unsere LinkedIn Community gefragt, was sie bei KI-getriebenem Wandel als größte Herausforderung sieht. Die 300 Antworten darauf zeichnen ein aussagekräftiges Bild: 31 % nannten fehlende Kompetenzen, gefolgt von Widerstand und Verunsicherung im Team (26 %), unzureichend vorbereiteten Führungskräften (23 %) und unklaren Rollen (20 %).
Auf den ersten Blick scheint es, als wären das unterschiedliche Herausforderungen. Sie weisen aber alle auf eine gemeinsame Lücke hin: Bei KI-getriebenem Wandel geht es nicht nur darum, neue Technologie einzuführen. Es geht vor allem darum, die Menschen darauf vorzubereiten. Was sich für sie verändert, was das für ihre Sicherheit und Orientierung, ihr Verhalten und ihr Vertrauen bedeutet.
KI ist in vielen Bereichen des Arbeitsalltags angekommen. Damit wird auch die Frage wichtiger, wie gut Menschen mit den Veränderungen umgehen können, die die KI mit sich bringt. Denn wenn die Veränderung zum Dauerzustand wird, reicht ein Plan allein nicht aus. Organisationen müssen auch dafür sorgen, dass Menschen sich auf neue Situationen einstellen und unter Druck handlungsfähig bleiben.
Genau damit beschäftigt sich unser gobaler Change Readiness Report 2026.
Der globale Change Readiness Report 2026 von Insights basiert auf einer unabhängigen Umfrage mit 880 HR- und People-Verantwortlichen in leitenden Positionen aus elf Ländern. Er zeigt ein klares Muster: Viele Organisationen planen die Abläufe einer Veränderung, bereiten ihre Mitarbeitenden und Führungskräfte aber deutlich weniger darauf vor, damit umzugehen.
Die Herausforderung geht aber häufig über fehlende Kompetenzen hinaus. Menschen müssen wissen, was sich für sie verändert, und auch dann handlungsfähig bleiben, wenn noch nicht alles klar ist. Führungskräfte spielen hier eine entscheidende Rolle: Sie müssen Orientierung geben, die Zusammenarbeit stärken und auch unter Druck einen klaren Kopf bewahren.
Im Umgang mit KI wird das häufig unterschätzt. Wenn Organisationen über fehlende Kompetenzen sprechen, konzentrieren sie sich meistens auf leicht messbare Dinge: Wer braucht eine Schulung? Wer muss die Anwendung neuer Tools lernen? Wo fehlen noch grundlegende Kenntnisse?
Das sind alles wichtige Fragen, aber sie reichen nicht aus. Genauso wichtig ist es, sich mit den Menschen selbst auseinanderzusetzen.
Bei diesen Fragen geht es um unser Verhalten. Bei der Vorbereitung auf Veränderungen werden sie jedoch häufig außer Acht gelassen. Bis die Folgen im Arbeitsalltag spürbar werden.
Der globale Change Readiness Report 2026 zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der Vorbereitung auf Veränderungen und der Produktivität. Organisationen, die sich umfassend auf größere Veränderungen vorbereiten, können ihre Produktivität während des Wandels häufiger halten oder sogar steigern.
Im Gegenzug hatten Organisationen mit geringer Vorbereitung ein 2,2-mal so hohes Risiko, einen Produktivitätsrückgang zu erleben, wie Organisationen, die gründlicher auf Veränderungen vorbereitet waren.
Eine gute Vorbereitung garantiert nicht, dass alles reibungslos läuft. Sie hilft Organisationen aber dabei, besser mit den Herausforderungen umzugehen, die eine Veränderung mit sich bringt.
Wie groß die Lücke hier noch ist, zeigen die Zahlen: 87 % der Organisationen waren auf größere Veränderungen nicht umfassend vorbereitet. Und 46 % hatten im Vorfeld sogar gar nichts oder nur wenig unternommen.
Interessanterweise gehört die Vorbereitung von Führungskräften auf ihr Verhalten während einer Veränderung zu den Maßnahmen, die Organisationen am seltensten einplanen.
Dabei macht es einen Unterschied, ob Menschen wissen, was auf sie zukommt, oder ob sie auch darauf vorbereitet sind, wie sie mit der Veränderung umgehen können. Informationen allein reichen oft nicht aus. Gerade wenn sich Aufgaben verändern, noch Fragen offen sind oder der Druck steigt, brauchen Mitarbeitende Orientierung und Führungskräfte ein klares Verständnis dafür, was ihr Team jetzt braucht.
Auch unsere LinkedIn-Umfrage zeigt, dass die Herausforderungen bei KI weit über technische Fragen hinausgehen. Die Antworten machen deutlich: Bei KI geht es nicht nur um Technik. Es geht auch darum, wie Menschen mit den Veränderungen umgehen.
Was heißt das konkret? Organisationen müssen nicht nur dafür sorgen, dass Mitarbeitende neue Tools bedienen können. Sie sollten auch:
Neue Technologien einzuführen ist nur ein Teil der Aufgabe. Entscheidend ist auch, ob Menschen verstehen, was sich für sie verändert und sich auf die neuen Anforderungen einstellen können.
Es kann schnell passieren, dass das Verhalten von Mitarbeitenden falsch gedeutet wird:
Widerstand wird schnell als fehlende Bereitschaft gewertet, Verunsicherung als Skepsis und Unklarheit als reines Kommunikationsproblem.
Manchmal ist das auch durchaus der Fall. Es kann aber auch sein, dass Menschen noch nicht die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, um sich auf Veränderungen einzustellen und sicher damit umzugehen.
Der Report zeichnet auch hier ein differenziertes Bild:
Weltweit wurden bei 63 % der Führungskräfte beobachtet, dass sie sich während größerer organisatorischer Veränderungen positiver verhielten. Das ist ein gutes Zeichen, aber es lohnt sich trotzdem, genauer hinzuschauen.
Selbst Führungskräfte, deren Verhalten insgesamt positiv bewertet wurde, zeigten unter Druck mitunter negative Verhaltensweisen. Es geht also nicht unbedingt um schlechte Führung. Auch erfahrene und kompetente Führungskräfte haben blinde Flecken, die vor allem unter Druck sichtbar werden.
Im Umgang mit KI-getriebenen Veränderungen spielt ihr Verhalten eine besonders wichtige Rolle: Führungskräfte sollen Sicherheit vermitteln, Ruhe bewahren und Orientierung geben, während sie selbst mit Unsicherheit umgehen müssen.
Es reicht also nicht, Mitarbeitende allein im Umgang mit KI zu schulen.
Damit KI-bedingte Veränderungen im Arbeitsalltag funktionieren, müssen Organisationen neben den technischen Kompetenzen auch das Verhalten im Umgang mit Veränderung in den Blick nehmen. Das heißt in der Praxis:
Dass Spannungen in Zeiten von Veränderungen entstehen, ist ganz normal. Wie gut Teams solche Spannungen auffangen und gemeinsam Lösungen finden, hängt auch davon ab, wie gut sie auf die Veränderung vorbereitet sind.
Für HR, Learning & Development und Verantwortliche für Transformation ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Neben dem Aufbau neuer Kompetenzen kommt es auch darauf an, wie gut Führungskräfte und Teams mit den Veränderungen umgehen, die KI in ihren Arbeitsalltag bringt.
Es geht letztendlich nicht nur um die Frage: „Wie vermitteln wir Mitarbeitenden die nötigen KI-Kompetenzen?“ Mindestens genauso wichtig ist es, wie gut unsere Führungskräfte und Teams darauf vorbereitet sind, auch dann abgestimmt, flexibel und handlungsfähig zu bleiben, wenn KI ihre Arbeit verändert.
Wer nur auf neue KI-Kompetenzen setzt, übersieht einen wichtigen Teil der Herausforderung. Denn auch wenn Mitarbeitende die neuen Tools beherrschen, bleiben oft Fragen offen: Was ändert sich für mich? Wer entscheidet was? Und wie arbeiten wir künftig zusammen? Fehlen klare Antworten, entstehen Unsicherheit und Missverständnisse. Entscheidungen ziehen sich hin, und die Zusammenarbeit wird schwieriger.
Genau das haben viele Organisationen noch nicht ausreichend im Blick.
KI verändert, wie wir arbeiten. Es reicht deshalb nicht, neue Tools möglichst schnell einzuführen und Mitarbeitende darin zu schulen. Führungskräfte und Teams müssen auch wissen, wie sie mit den Veränderungen umgehen und sich auf neue Arbeitsweisen einstellen können, genau dann, wenn es stressig wird.
Denn neue Technologien allein machen noch keine erfolgreiche Veränderung aus. Entscheidend ist, wie Menschen damit arbeiten.