Verborgene Konflikte in Teams
Expert:innen für Teamentwicklung zeigen, wie sich verborgene Konflikte bemerkbar machen, warum sie im Arbeitsalltag häufig übersehen werden und welche Auswirkungen sie auf Verhalten, Zusammenarbeit und Teamleistung haben.
Denk an Dein letztes Teammeeting.
Gab es echten, offenen Austausch? Wurden unterschiedliche Perspektiven wirklich eingebracht, auch dann, wenn sie unbequem waren?
Oder ist etwas Unangenehmes kurz aufgeblitzt und dann schnell wieder untergegangen? Wenn Du jetzt denkst: „Es lief gut, nichts Auffälliges“, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn gerade Teams, die nach außen stabil wirken, bieten oft noch ungenutztes Potenzial, vor allem dort, wo Reibung nicht sichtbar wird.
Das Erste, was Du über verborgene Konflikte in Teams verstehen solltest: Sie sehen selten wie Konflikte aus. Es gibt keine lauten Auseinandersetzungen, keine formalen Beschwerden und keine offensichtlichen Eskalationen. Genau deshalb bleiben sie häufig unerkannt.
Deirdre Foley, Team- und Executive Coach sowie Senior Facilitator bei HPC, arbeitet seit mehr als dreizehn Jahren mit Führungs- und Fachteams in unterschiedlichen Branchen. Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass sich verborgene Konflikte oft schon früh durch subtile Verhaltensmuster und unausgesprochene Spannungen bemerkbar machen.
Jack Collins, Business Psychologist und Director bei Westminster Associates, arbeitet mit Führungsteams aus unterschiedlichsten Branchen, von Start-ups bis hin zu Großunternehmen. Er beschreibt ein anderes, ebenso aufschlussreiches Signal: den Moment, in dem ein Team versucht, das Problem selbst umzubenennen.
Howard Scott, Senior Consultant, Facilitator und Coach bei Unify Partnership, arbeitet seit 15 Jahren mit Vorständen und Führungsteams in unterschiedlichsten Branchen, von der Nukleartechnik bis hin zu Professional Services. Er bringt die Herausforderung auf den Punkt:
Deirdre beschreibt diese Herausforderung in der Führung als ein Muster, das ihr in der Arbeit mit Geschäftsleitungen immer wieder begegnet. Bevor sie sich die Dynamik im Team anschaut, setzt sie bewusst bei der Führungskraft an: Sie reflektiert gemeinsam mit ihr die eigene Selbstwahrnehmung und macht sichtbar, welche Wirkung ihr Verhalten auf andere hat, oft, ohne dass es der Person selbst wirklich bewusst ist.
Das zeigt sich in klar erkennbaren Situationen: etwa bei einer Führungskraft, deren Auftreten so autoritär ist, dass niemand mehr widerspricht, sobald sie gesprochen hat. Oder bei jemandem, der vertraulich geteilte Informationen nutzt, um Teammitglieder zu kritisieren und damit das Vertrauen in den Prozess nachhaltig beschädigt. Deshalb beginnt Deirdre die Zusammenarbeit mit einem Team meist mit ersten Gesprächen mit der Führungskraft.
Jack ergänzt eine weitere Perspektive: Der blinde Fleck von Führungskräften entsteht häufiger durch Gewöhnung als durch Gleichgültigkeit. Wenn verborgene Konflikte lange genug Teil der Teamkultur sind, werden sie unsichtbar oder als normal wahrgenommen.
Nimmt man organisatorische Dynamiken und blinde Flecken in der Führung aus der Gleichung, bleibt oft eine einfache Ursache verborgen: Menschen missverstehen sich gegenseitig.
Holly Miller, Senior Consultant, Facilitator und Coach bei Unify Partnership, begleitet Organisationen aus der Privatwirtschaft, dem Non-Profit-Bereich und dem Bildungssektor dabei, Spannungen und Dysfunktionen in Teams aufzudecken. Sie erklärt:
Pia Meier, Geschäftsführung und Prokuristin bei der Seidel GmbH & Co. KG betont, dass ungelöste Spannungen selten auf die unmittelbar Beteiligten begrenzt bleiben. Sie prägen die Atmosphäre im gesamten Team und beeinflussen, wie Menschen zusammenarbeiten, kommunizieren und sich im Unternehmen einbringen.
Jack beschreibt vier konkrete Arbeitsstile, die in fast jedem Team, mit dem er arbeitet, Reibung erzeugen:
Jack weist darauf hin, dass Menschen mit einem reflektierenden Verarbeitungsstil, also diejenigen, die sich Zeit nehmen, Dinge zu durchdenken, aus einem einzelnen Kommentar schnell eine ganze Konfliktgeschichte entwickeln können.
Genau hier nehmen verborgene Konflikte ihren Anfang. Vielleicht war es eine Bemerkung, die falsch ankam, oder ein Meeting, in dem sich jemand übergangen fühlte. Für sich genommen scheint das harmlos, aber über die Zeit häufen sich solche Spannungen.
Wenn ein Team insgesamt gute Ergebnisse liefert, liegt die Versuchung nahe, verborgene Konflikte als Nebensache abzutun: unangenehm, aber nicht dringend. Das Problem dabei ist, dass die tatsächlichen Risiken häufig unterschätzt werden.
Howard verweist auf das Modell der kulturellen Entropie des Barrett Values Centre, ein Konzept, das ursprünglich aus der Thermodynamik stammt, um die Kosten ungelöster Konflikte für Organisationen zu verdeutlichen.
In der Thermodynamik beschreibt Entropie die Energie, die ein System allein dafür aufwendet, sich selbst aufrechtzuerhalten, statt produktive Arbeit zu leisten. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich auch in Teams.
Holly ergänzt eine Perspektive, die besonders für wirtschaftlich orientierte Führungskräfte relevant ist: die Belastbarkeit eines Teams. Teams mit verdeckten Konflikten können zwar funktionieren, solange die Rahmenbedingungen stabil bleiben. Gerät das Umfeld jedoch unter Druck, zeigen sich ihre Schwächen deutlich.
Aus insgesamt 50 Jahren Erfahrung dieser vier Expert:innen wird klar: Es zeichnet sich ein klares Muster ab, was den Unterschied macht.
Um echte Veränderung zu schaffen, müssen Organisationen über Maßnahmen fürs Wohlbefinden und einzelne Teambuilding-Tage hinausgehen und etwas Grundlegenderes angehen: eine gemeinsame Sprache verankern, um das Verhalten des anderen zu verstehen und lernen, über Unterschiede so zu sprechen, dass es sich nicht wertend anfühlt und niemand als falsch dargestellt wird.
Hier kommt Insights Discovery ins Spiel. Es bietet eine dringend benötigte Ebene des gemeinsamen Verständnisses, die verändert, wie Menschen in Teams miteinander sprechen.
Deirdre beschreibt die Arbeit mit einem Risikobereich in einer Bank, in dem zwei unterschiedliche Ansätze bei Entscheidungen monatelang zu unausgesprochener Spannung geführt haben. Ein Teil des Teams drängte auf schnelle Entscheidungen; ein anderer ließ sich nicht bewegen, bevor nicht jedes Risiko vollständig analysiert war. Beide waren überzeugt, dass ihr Ansatz der richtige ist.
Deirdre betont, dass Insights Discovery nicht die alleinige Lösung ist. Die Farbenergien sind eine Ebene. Darunter liegen emotionale Faktoren wie Jobunsicherheit, Ego, Wettbewerb oder persönliche Erfahrungen. Aber Insights Discovery schafft die psychologische Sicherheit und die gemeinsame Sprache, um diese tieferen Ebenen überhaupt erkunden zu können.
Pia ist überzeugt, dass nachhaltige Veränderung mit Selbstreflexion beginnt. Die Insights Workshops schaffen dafür einen Rahmen, in dem Menschen ihre eigenen Stärken, Schwächen und Verhaltensmuster besser verstehen und dadurch offener und konstruktiver mit anderen zusammenarbeiten können.
Jack beschreibt, wie sich dieser Moment im Raum anfühlt, wenn sich für jemanden, der lange an einer festen Sichtweise über eine Kollegin oder einen Kollegen festgehalten hat, plötzlich etwas verändert:
Die meisten Teams schöpfen ihr Potenzial nicht aus. Selbst wenn die richtigen Menschen an Bord sind, fehlt oft die Sprache, das Bewusstsein und die Sicherheit, um ehrlich miteinander zu sprechen.
Das eigentliche Risiko liegt in den auflaufenden Kosten verborgener Konflikte: vergeudete Energie, Entscheidungen, die sich hinziehen, und kompetente Mitarbeitende, die sich im Stillen entscheiden, dass es die Mühe nicht wert ist.
Organisationen, die das frühzeitig angehen, bevor Krisen entstehen oder die Fluktuation zunimmt, müssen eine Grundlage aus Selbstwahrnehmung und gemeinsamem Verständnis schaffen. Wenn Du langfristig darin investierst, wie Menschen miteinander umgehen und in Beziehung treten, entstehen stärkere Teams, klarere Kommunikation und effektivere Zusammenarbeit.
Der unverzichtbare Leitfaden für Insights Discovery Farbenergien und wie Du sie im Arbeitsalltag einsetzen kannst.
Mit besonderem Dank an vier zertifizierte Insights Discovery Practitioner:innen und führende Expert:innen für Verhaltenscoaching, Teammoderation und Führungskräfteentwicklung. Gemeinsam verfügen sie über mehr als fünf Jahrzehnte Erfahrung in der Begleitung von Organisationen unterschiedlicher Branchen, Größen und Regionen.
Deirdre Foley, Team & Executive Coach, Senior Facilitator - HPC
Jack Collins, Business Psychologist & Director - Westminster Associates
Howard Scott, Senior Consultant, Facilitator und Coach - Unify Partnership
Holly Miller, Senior Consultant, Facilitator und Coach - Unify Partnership
Acas (2021): Estimating the Costs of Workplace Conflict. Abrufbar unter: acas.org.uk
Acas (2024): Health, Work and Conflict: The Human Cost of Workplace Disputes. Abrufbar unter: acas.org.uk
Acas & NatCen Social Research (2025): Conflict at Work: Nature, Extent and Resolution. Abrufbar unter: acas.org.uk
Barrett Values Centre: Cultural Entropy. Abrufbar unter: valuescentre.com
CIPD (2024): Good Work Index 2024. Abrufbar unter: cipd.org