KI macht uns Menschen produktiver. Warum gilt das nicht auch für Organisationen?
Wir wissen, dass fast alle Menschen KI verwenden: 87 % nutzen KI im Arbeitsalltag. 75 % fühlen sich produktiver. Aber nur 13 % berichten von einer besseren Unternehmensleistung.
Wie kann das sein?
Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob wir KI nutzen, sondern wie wir mit ihr arbeiten.
Immer mehr Studien untersuchen, was dabei in unserem Denken passiert. Denn auch die Art, wie wir denken und Entscheidungen treffen, verändert sich, wenn wir mit KI arbeiten.
Wenn KI beginnt, für uns zu denken
Wenn Du mit KI arbeitest, kennst Du vielleicht das Prinzip des „Cognitive Offloading“. Gemeint ist damit, dass Du externe Hilfsmittel nutzt, um Deinen mentalen Aufwand bei einer Aufgabe zu verringern.
Du nutzt zum Beispiel Google Maps, statt Dir einen Weg zu merken. Oder Du trägst Termine in Deinen Kalender ein, statt Dich selbst an jede Verabredung erinnern zu müssen.
Das kann sinnvoll sein. Denn Du gibst damit nicht Dein eigenes Denken ab. Du verlagerst lediglich einen Teil der Aufgabe auf ein Hilfsmittel.
Bei der kognitiven Kapitulation ist das anders. Du gibst nicht nur eine Aufgabe an KI ab. Du übernimmst eine Entscheidung von KI, ohne sie zu hinterfragen.
Eine Studie der Wharton School aus dem Jahr 2026 beschreibt kognitive Kapitulation als den Moment, in dem Menschen KI-Ergebnisse übernehmen, ohne sie ausreichend zu prüfen. Dabei rückt die eigene Einschätzung in den Hintergrund.
„Wenn Du einen Taschenrechner nutzt, nimmt er Dir eine konkrete Rechenaufgabe ab. Die Entscheidung bleibt bei Dir. Bei kognitiver Kapitulation ist das anders: KI übernimmt nicht nur eine bestimmte Aufgabe, sondern trifft die Entscheidung für Dich. Du übernimmst sie als Deine eigene, ohne zu merken, dass Du dabei einen Teil Deiner Entscheidungsfindung an KI abgegeben hast.“
– Gideon Nave, PhD, Carlos and Rosa de la Cruz Associate Professor und Associate Professor of Marketing, The Wharton School
Wie Du als Führungskraft kognitive Kapitulation in Deinem Team erkennen kannst:
- Niemand hinterfragt die Antworten von KI.
-
Entscheidungen fallen schneller, aber die Qualität lässt nach.
-
Ergebnisse ähneln sich immer mehr.
- Es gibt kaum noch neue Ideen.
Warum vertrauen wir KI so schnell?
Insights Organisationspsychologin Dr. Tanya Boyd sagt: „Wenn Inhalte professionell formuliert sind, überzeugend klingen und schnell verfügbar sind, wie es bei KI-Inhalten oft der Fall ist, fällt es überraschend leicht, sie zu akzeptieren, ohne ausreichend zu prüfen, ob sie tatsächlich richtig sind.“
Genau hier liegt die Herausforderung: KI-generierte Zahlen und Aussagen können schnell wie verlässliche Fakten wirken. Dabei vergessen wir leicht, dass KI Fehler machen, Daten erfinden und wichtige Zusammenhänge übersehen kann.
Wieso macht KI Organisationen nicht so produktiv, wie sie es sich erhoffen?
KI hilft Menschen dabei, ihre Arbeit zielgerichteter zu erledigen. Aber dieser Effekt kommt nicht automatisch bei der Organisation an.
Das zeigen auch die Zahlen: 75 % der Befragten sagen, dass KI sie bei der Arbeit produktiver macht. Gleichzeitig glauben nur 13 %, dass ihre Organisation dadurch besser performt.
Es kommt also darauf an, wie wir mit den Ergebnissen von KI umgehen. Wir können KI-Ergebnisse hinterfragen, prüfen und weiterdenken oder sie einfach übernehmen. Der Work AI Report von Glean zeigt zwei unterschiedliche Muster, wie wir dabei vorgehen:
Botsitting
Wenn wir mit KI arbeiten, verbringen wir bis zu 37 % unserer Zeit allein damit, die Qualität der Ergebnisse zu sichern. Wir geben der KI Kontext, prüfen Ergebnisse, korrigieren Fehler, bereinigen Daten oder überarbeiten Texte.
Schätzungen zufolge verbringen wir mit Botsitting fast 6,5 Stunden pro Woche. Das entspricht bei einem normalen Arbeitstag von 7,5 bis 8,5 Stunden fast einem ganzen Arbeitstag, den wir damit verbringen, KI-Ergebnisse zu prüfen und nachzuarbeiten.
KI spart nicht automatisch Zeit. Schon 2021 wies Erik Brynjolfsson, Leiter des Stanford Digital Economy Lab, darauf hin, dass Produktivität durch KI zunächst langsamer wachsen kann. KI verändert nicht nur einzelne Aufgaben. Sie verändert auch, wie wir arbeiten.
Wenn KI sinnvoll in unsere Abläufe einbinden, kann sie Menschen gezielt unterstützen, Teams in ihrer Zusammenarbeit stärken und Arbeit wirkungsvoll voranbringen.
Botshipping
Botshipping bedeutet, KI-Ergebnisse weiterzugeben, ohne sie kritisch zu hinterfragen.
69 % der Beschäftigten übernehmen KI-Ergebnisse, ohne sie zu hinterfragen. Wie viel Zeit dadurch verloren geht, wissen wir bisher nicht genau. Fehlerhafte Ergebnisse kosten Menschen und Teams zusätzlich Zeit und können das Vertrauen in die Arbeit mit KI schwächen.
Dazu kommt die Zeit, die Menschen und Teams für Nacharbeit aufwenden müssen. Sie korrigieren Fehler, überdenken Entscheidungen und arbeiten daran, Vertrauen wieder zu stärken.
Noch wichtiger ist die Frage: Wie nutzen wir KI so, dass sie Menschen unterstützt, statt sie zu ersetzen? Gute Zusammenarbeit, wirkungsvolle Entscheidungen und starke Führung hängen von menschlichem Denken, Erfahrung und Urteilskraft ab.
Man könnte erwarten, dass Menschen, die KI sorgfältig prüfen und für gute Ergebnisse sorgen, engagierter bei ihrer Arbeit sind. In der Realität sieht das aber anders aus.
Wer mit KI arbeitet, muss häufig Ergebnisse prüfen und nacharbeiten. Je mehr Zeit Menschen dafür aufwenden, desto eher fühlen sie sich erschöpft. Laut dem Work AI Report steigt das Gefühl von Erschöpfung um 25 %, wenn Menschen 10 % mehr Zeit damit verbringen, der KI Kontext zu geben.
Dazu kommt die Zusammenarbeit in Deinem Team. Wenn Du jeden Tag die Entscheidungen anderer hinterfragen und korrigieren musst, kostet das Zeit und kann Spannungen im Team schaffen.
So kommt es dazu, dass 73 % der Menschen, die Botsitting betreiben, eher darüber nachdenken, ihren Job zu wechseln.
Kann KI uns nicht kreativer machen?
Doch, das kann sie.
Eine Studie University of Exeter and UCL School of Management aus dem Jahr 2024 zeigt: Generative KI kann einzelnen Menschen dabei unterstützen, kreativer zu arbeiten. Gleichzeitig kann sie es schwieriger machen, gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.
Die Forschenden stellten fest: Menschen bewerteten Geschichten mit Ideen aus generativer KI als kreativer, besser geschrieben und unterhaltsamer. Besonders stark war dieser Effekt bei weniger kreativen Schreibenden.
So einfach ist das aber nicht...
Eine Folgestudie des MIT aus dem Jahr 2025 macht ebenfalls deutlich, dass es darauf ankommt, wie wir mit KI arbeiten. Nur weil wir ChatGPT nutzen, schreiben oder forschen wir nicht sofort besser:
“Wer seine Aufgaben bewusst analysiert, das eigene Denken hinterfragt und seine Vorgehensweise anpasst, kann generative KI gezielt als Unterstützung nutzen, um kreativer zu arbeiten. Denn wer bewusst über die eigene Arbeitsweise nachdenkt, kann KI besser nutzen, um neue Ideen und Impulse für kreatives Denken zu gewinnen.”
Autoren Jackson Lu und Shuhua Sun erklären: Kritisches Denken hilft uns dabei, KI anders zu nutzen. Nicht als Ersatz für unser Denken, sondern als Unterstützung für unsere eigenen Ideen und Entscheidungen.
Prompting allein reicht nicht: Warum Kritisches Denken zählt
“Wenn wir unsere Aufgaben bewusst analysieren, unser eigenes Denken hinterfragen und unsere Vorgehensweise anpassen, können wir KI besser nutzen. Wir stellen bessere Fragen, erkennen, welche Informationen uns noch fehlen, und können die Antworten von KI besser einordnen. Dieses bewusste Nachdenken über das eigene Denken nennt sich Metakognition.”
– Jackson Lu, General Motors Professor of Management am MIT Sloan
Was ist kritisches Denken?
Kritisches Denken bedeutet, innezuhalten, Informationen zu hinterfragen und zu analysieren, bevor Du eine Entscheidung triffst. So prüfst Du, was wirklich stimmt und welche Annahmen und Belege dahinterstecken, statt Informationen einfach für wahr zu halten. Kritisches Denken bildet die Grundlage für fundierte Entscheidungen.
Die richtigen Fragen stellen
- Worum geht es hier genau?
- Woher weiß ich, dass das stimmt?
- Welche Annahmen stecken dahinter?
- Welche anderen Perspektiven sollte ich einbeziehen?
Aber trotzdem fehlt es in vielen Unternehmen derzeit an kritischem Denken.
Eine interne Befragung von Insights-Kunden aus dem Jahr 2026 zeigt: 73 % der Befragten sehen Kritisches Denken als eine der wichtigsten fehlenden Fähigkeiten in ihrer Organisation. 52 % nennen es sogar als die wichtigste fehlende Fähigkeit.
Das hilft zu verstehen, warum die Produktivität des Einzelnen nicht automatisch zu einer besseren Unternehmensleistung führt. Hier kommt Kritisches Denken ins Spiel. Es hilft dabei, individuelle Produktivität mit besseren Ergebnissen für die Organisation zu verbinden.
Wie können wir kognitive Kapitulation verhindern?
Jackson Lu, einer der Autoren der MIT-Studie, bringtes auf den Punkt:
"Auch die leistungsfähigste KI kann die Kreativität von Menschen nicht stärken, wenn diese nicht wissen, wie sie sie sinnvoll einsetzen. Unternehmen sollten deshalb den Einsatz von KI damit verbinden, dass Menschen lernen, ihre Aufgaben bewusst zu hinterfragen und ihre Arbeitsweise anzupassen. So können sie das kreative Potenzial von KI wirklich nutzen."
Darum haben wir Insights Discovery um das neue Kapitel "Kritisches Denken" erweitert. Es zeigt, wie unsere persönlichen Präferenzen beeinflussen, wie wir denken, wo unsere natürlichen Stärken liegen und welche Denkverzerrungen dabei entstehen können.
Wenn wir verstehen, wie wir selbst denken, können wir Entscheidungen bewusster treffen, wirkungsvoller mit anderen zusammenarbeiten und unsere Herangehensweise an unterschiedliche Situationen anpassen. .
Insights Discovery basiert auf einem Vier-Farben-Modell, das unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale und Präferenzen beschreibt. Es macht sichtbar, wie wir kommunizieren und arbeiten und was uns dabei wichtig ist.
Jede Farbenergie bringt eigene Stärken mit, kann aber auch bestimmte Denkweisen begünstigen. Das zeigt sich nicht nur darin, wie wir kommunizieren und handeln, sondern auch darin, wie wir Informationen aufnehmen, darüber nachdenken und Entscheidungen treffen.
Eisblau
Analytisch / Zurückhaltend/ Unvoreingenommen
Kritisches Denken hilft dabei:
- Nicht zu viel zu analysieren
- Den eigenen Perfektionismus zu hinterfragen
- Komplexe Zusammenhänge im Blick zu behalten
Feuerrot
Direkt / Entschlossen / Zielbewusst
Kritisches Denken hilft dabei:
- Impulse bewusst wahrzunehmen
- Andere Perspektiven einzubeziehen
- Entscheidungen nicht zu überstürzen
Erdgrün
Aufrichtig / Rücksichtsvoll / Geduldig
Kritisches Denken hilft dabei:
- Schwierige Themen nicht zu vermeiden
- Nicht vorschnell nachzugeben
- Auch vertraute Aussagen zu prüfen
Sonnengelb
Enthusiastisch / Umgänglich / Mitreißend
Kritisches Denken hilft dabei:
- Optimistische Annahmen zu hinterfragen
- Ideen realistisch zu betrachten
- Sich nicht zu schnell mit einer Lösung zufriedenzugeben
Wie Insights Discovery kritisches Denken stärkt
Insights Discovery - Kritisches Denken unterstützt Menschen dabei, bewusster zu entscheideninsbesondere bei der Frage, wenn sie mit Ergebnissen von KI umgehen.
Es reicht nicht, eine Antwort zu bekommen. Entscheidend ist, wie wir sie prüfen, bewerten, weiterentwickeln und mit unserem eigenen Wissen und unseren Perspektiven verbinden. So können wir aus Informationen fundierte Entscheidungen und konkrete nächste Schritte ableiten.
Je mehr KI Inhalte erstellt und zunehmend auch Aufgaben durch Agents für uns übernimmt, desto später werden wir Menschen in den Prozess eingebunden. Damit wird unser Beitrag aber wichtiger: Wir sehen weniger davon, wie ein Ergebnis entstanden ist, und müssen umso genauer prüfen, was dahintersteckt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr: „Kann KI eine Antwort liefern?“ Sondern: „Erkennen wir den Unterschied zwischen einer schwachen und einer guten Antwort? Sind wir bereit, fehlerhafte Annahmen zu prüfen? Und wissen wir, was wir als Nächstes tun sollten?“
Je länger Menschen KI-Ergebnisse ungeprüft übernehmen, desto wichtiger wird es, bewusst gegenzusteuern.
"Auch die leistungsfähigste KI kann die Kreativität von Menschen nicht stärken, wenn sie nicht wissen, wie sie sie sinnvoll einsetzen. Unternehmen sollten deshalb den Einsatz von KI damit verbinden, dass Menschen lernen, bewusst zu denken und ihre Vorgehensweise anzupassen. So unterstützen sie ihre Kreativität mit KI . "
Auch wenn sich kognitive Kapitulation bereits in der Arbeitsweise Deines Teams festgesetzt hat, kann Insights Discovery – Kritisches Denken es dabei unterstützen, wieder bewusster mit KI umzugehen. Dabei geht es um mehr als bessere Entscheidungen. Menschen arbeiten besser zusammen, tauschen sich offener aus und schaffen Raum für neue Ideen.
Dr. Tanya Boyd, Expertin bei Insights fasst es so zusammen:
“Kritisches Denken und Teamarbeit sind wichtige menschliche Kompetenzen. Sie helfen uns dabei, KI sinnvoll zu nutzen und gute Entscheidungen zu treffen. Um sie gezielt zu stärken, müssen wir bei uns selbst anfangen: mit Selbsterkenntnis und einem besseren Verständnis dafür, wie wir denken und handeln. Denn gutes Denken hängt nicht nur davon ab, welche Informationen vor uns liegen. Es hängt auch davon ab, wie gut wir uns selbst verstehen und mit den Menschen um uns herum zusammenarbeiten.”
Kritisches Denken hilft Menschen dabei, KI bewusst zu nutzen, gute Entscheidungen zu treffen und auch unter Veränderungsdruck handlungsfähig zu bleiben. Insights Discovery – Kritisches Denken verbindet dafür einen bewährten Entscheidungsprozess mit der vertrauten Sprache der Insights-Farben.
In sechs Schritten unterstützt die Anwendung Menschen dabei, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen, eigene Perspektiven einzubringen und Entscheidungen bewusst zu treffen.
Wie sieht es in Deinem Team aus?
Quellen und Ressourcen für diesen Artikel:
Kosmyna, N et al. Thinking Fast, Slow and Artificial: Generative AI Reduces Cognitive Effort While Thinking. SSRN. Abrufbar unter: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=6097646
Glean. Work AI Index. Abrufbar unter: https://www.glean.com/work-ai-institute/reports/work-ai-index
Brynjolfsson, E, Rock, D and Syverson, C. The Productivity J-Curve: How Intangibles Complement General Purpose Technologies. American Economic Journal: Macroeconomics. Abrufbar unter: https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/mac.20180386
Davenport, T. Ten Reasons Why We Won't See Productivity. Substack. Abrufbar unter: https://tdavenport.substack.com/p/ten-reasons-why-we-wont-see-productivity
Doshi, A R and Hauser, O P. Generative AI Enhances Individual Creativity but Reduces the Collective Diversity of Novel Content. Science Advances. Abrufbar unter: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adn5290
MIT Sloan School of Management. Does generative AI actually enhance creativity in the workplace? Abrufbar unter: https://mitsloan.mit.edu/press/does generative-ai-actually-enhance-creativity-workplace